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Interview mit dem Vorstand

 

2009 haben wir ein Gespräch über die Entwicklung von schule • beruf e.V geführt, jetzt ist es nur noch ein Jahr bis zum 40. Gründungsjubiläum. Das ist ein guter Anlass, mal zu fragen: Wo steht der Verein heute?

Wolfgang Rackl:
Die Konsolidierung, die wir uns vorgenommen haben, ist eingetreten. Unsere Mitgliederzahlen sind konstant, durch Veranstaltungen wie Themenabende und Stadtrundgänge haben wir den Kontakt intensiviert.

 

Vor welchen Herausforderungen stehen die Arbeitsbereiche, wie die offene Jugendarbeit?

Dora Kirchner:
Eine neue Herausforderung ist die Ganztagsschule und die Kooperation der Jugendhilfe mit den Schulen. Dabei ist es wichtig, dass sozialpädagogische Prinzipien – wie Ganzheitlichkeit der Pädagogik, Partizipation und geschlechtsdifferenzierter Blick – auch in der Schule wirksam werden. Dafür gibt es aber noch keine passenden Konzepte seitens der Politik.

Walter Simon:
Und eben weil ein politisches Konzept fehlt, bin ich überzeugt, dass die offene Jugendarbeit mehr an Bedeutung zunehmen wird.

 

Gibt es noch andere Themen, die in jüngster Zeit an Bedeutung zugenommen haben?

Kamil Romanowski:
Um ein Projekt beispielhaft anzuführen: Das Treibhaus erlebt einen großen Zulauf von Jugendlichen. Darunter sind junge Menschen, denen zuhause die Ansprache fehlt und die mit ihren Sorgen und Zukunftsängsten weitgehend alleine sind. Hinzu kommen ganz alltägliche Veränderungen: In vielen Familien ist warmes, gesundes Essen längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Angebote wie das gemeinsame Kochen mit den Soz.Päds. sind deswegen besonders gefragt.

Dora Kirchner:
Zwei ebenso brennende Themen sind Gewalt und Armut. Im letzten Jahr wurde der Münchner Armutsbericht vorgelegt. 14 Prozent der Münchner Bevölkerung lebt an der Armutsrisikogrenze. Überdurchschnittlich betroffen sind Menschen mit Migrationshinter-grund, von ihnen leben 30 Prozent an der Armutsrisikogrenze, und alleinerziehende Frauen. Das hat Auswirkungen für die Arbeit im Verein. Und wir müssen uns die Frage stellen: Wie begegnen wir dem? Auch beim Thema Gewalt gibt es Handlungsbedarf: In der Blumenau, wo der Treff 21 beheimatet ist, gab es ein Forschungsprojekt zur Lebenssituation von Mädchen. Dabei ist heraus gekommen, dass die Mädchen alltäglich Gewalt erleben. In der Schule, auf der Straße und Zuhause. Sie leben in Angst. Und schließlich hat auch die Sexualisierung in den Medien Konsequenzen. Auf all das müssen wir reagieren.

Walter Simon:
Was mich besonders erschreckt hat sind die Erkenntnisse beim Thema Missbrauch, wozu wir erst vor kurzem eine Fortbildung hatten. Wir alle waren entsetzt darüber, wie verbreitet die Problematik ist. Auch das Thema Mobbing spielt eine große Rolle, verstärkt durchs Internet.

 

Wie kann ein Verein wie schule • beruf e.V auf solche Entwicklungen reagieren?

Wolfgang Rackl:
Soziale Projekte sind die Reparaturbetriebe in der Gesellschaft. Natürlich können wir als Verein nicht alle Probleme im sozialen Bereich abdecken. Die Vorstandshaltung dazu ist jedoch: Neue Probleme erfordern neue Reaktionen. Das bedeutet auch für uns eventuell ein größeres Spektrum. Dazu gibt es Überlegungen, aber noch keine konkreten Entscheidung. In jedem Fall müssen für neue Projekte die Bedingungen stimmen, ganz besonders finanziell. Die Grundüberzeugung ist, dass wir neue Aufgaben nicht zu Dumpingpreisen übernehmen. Denn der Sozialbereich darf nicht zur Armutsfalle für die Beschäftigten werden. Egal was wir machen: Wir werden darauf achten, dass es unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut geht.

Kamil Romanowski:
Die Politik muss sich im Klaren sein, dass Kürzungen dazu führen, dass gute Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen in andere Berufe gehen.

 

Hat auch Schule und Beruf e.V. damit zu kämpfen?

Walter Simon:
Wir zeichnen uns durch eine enge Bindung zu den Mitarbeitern aus. Das zeigt sich zum Beispiel bei Projektleitungen, die zum Teil seit 20 Jahren bei uns sind. Wir schauen darauf, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns wohl fühlen. Dazu gehören Spaß an der Arbeit und Wertschätzung.

 

Wie gestaltet sich der Austausch zwischen Projekten und Vorstand?

Kamil Romanowski:
Auf Anregung des Vorstands hin haben wir vor einiger Zeit turnusmäßige Treffen vereinbart. Alle zwei Monate trifft sich der Vorstand mit einem anderen Projekt.

Walter Simon:
Ich habe den Eindruck, dass dieser Austausch sehr wichtig ist. Man erfährt von den Problemen und Aufgaben und kann reagieren.

 

Ein neues Angebot von schule • beruf e.V. sind die Themenabende, demnächst etwa zum The-ma Rechtsextremismus. Was steckt dahinter?

Kamil Romanowski:
Es geht dabei um relevante Themen, denen die Projekte in ihrer täglichen Arbeit begegnen. Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit schlägt eine Auswahl an Themen vor und lädt die Projekte und die Vereinsmitglieder zur Diskussion ein. Die erste Veranstaltung drehte sich um Cybermobbing. Um Fragen, wie sehr das reale Leben im virtuellen Raum stattfindet und wie weit dort Mobbing verbreitet ist. Außerdem wurde angeregt darüber diskutiert, wie man Internetseiten wie Facebook verantwortlich nutzt und dort nicht zu viel von sich preisgibt.

Dora Kirchner:
Beim nächsten Themenabend ging es um Pornofizierung, um die sexualisierte Darstellung von Frauen und deren Auswirkungen auf Jugendliche.

 

DANKE FÜR DAS GESPRÄCH!

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